#67 BDSM Stammtische – Das sind sie wirklich Teil 1

Stammtische – ein Phänomen, das man mal gehört hat, aber nicht so richtig weiß, wozu sie gut sind. Ein BDSM-Stammtisch wirft daher wohl noch mehr Fragen auf.
Matthias betreibt gleich mehrere und zusammen mit seiner Freundin klärt uns über das wahre Ahh und Ohh der BDSM-Stammtische auf.

Nika:             Hallo, ihr Beiden!

Matthias:     Moin, moin.

Danielle:       Hallo.

Nika:             Ja, freut mich riesig, ich habe schon so ein bisschen gespoilert. Es soll ja heute über Stammtische gehen. Viele haben mich nach Interviews gefragt: Wie ist das eigentlich mit Thema ‘Stammtischen‘? Kann man da mal ein bisschen mehr erfahren? Da sind ja so ein paar Hemmschwellen, daher mal die Frage erst an dich, Matthias: Worüber sprechen wir heute im Detail?

Matthias:     Ich würde sagen über die verschiedenen Stammtisch-Möglichkeiten, wo man solche findet, welche Arten es gibt.

Nika:             Das ist ja ein riesen Thema. Ich habe auch ganz, ganz viele Fragen. Und du hast dir ja auch schon Notizen gemacht, hast du mir vorhin erzählt. Das ist sehr schön. Ich glaube, wir sollten erstmal anfangen mit der Frage: Was ist ein BDSM-Stammtisch?

Matthias:     Ja, das ist eine recht umfangreiche Frage, sage ich mal. Es gibt ja, wie gesagt, verschiedene Arten von Stammtischen, und man kann sich einfach nur zusammensetzen und über das Thema BDSM im Allgemeinen sprechen. Es gibt aber auch Stammtische, wo die Möglichkeit ist, dass man spielen kann, oder dass man ggf. im Dress Code dahin kommt.

Nika:             Okay, also kann man sich jetzt so vorstellen, es ist eigentlich grundsätzlich so ähnlich wie man von anderen Stammtischen das kennt. Man trifft sich einfach irgendwo, man quatscht über ein spezielleres Thema, und dann tauscht man sich aus. Das ähnelt also allen anderen Stammtischen, wenn ich das so richtig heraushöre?

Matthias:     Das würde ich so unterstreichen, ja.

Nika:             Und was dann danach passiert, da sprechen wir dann später mal drüber. Kurz, damit die Leute auch Bescheid wissen, wer du bist. Du hast mir ja erzählt, du bist nicht nur Interessierter, sondern du betreibst auch gleichzeitig mehrere Stammtische.

Matthias:     Das ist richtig, genau.

Nika:             Dann erzählt uns doch mal, hol uns mal ein bisschen ab: Wer bist du denn und wie kam es dazu, dass du da nachher selber Stammtisch-Betreiber wurdest?

Matthias:     Das ist mehr oder weniger ein Zufall gewesen. Ich bin oft im Internet unterwegs gewesen, hab mal so geguckt: Was gibt das im Bereich Hamburg überhaupt so an Stammtischen? Ein Stammtisch ist mir dann aufgefallen und hab gedacht, kann man sich mal angucken. Ich bin da dann hingegangen und bin da total super aufgenommen worden, dass ich da nicht irgendwie blöde in der Ecke gesessen hab. Die waren gleich alle da und haben mich in die Runde integriert.

Das war ein richtig schöner Abend. Hat viel Spaß gemacht. Den Stammtisch habe ich dann innerhalb kürzester Zeit schon mit geleitet und hab den dann später auch übernommen. Und aus diesem Stammtisch ist dann nachher noch ein weiterer Stammtisch geworden. Der erste Stammtisch war halt ein reiner, ich sag mal, Kommunikationsstammtisch, wo die Leute halt so gekommen sind von der Arbeit, wie sie aussahen, und in diesem Fall über das Thema ‘Switchen‘ gesprochen haben. Also das war der Switcher-Stammtisch. Dann ist daraus nachher noch ein weiterer Stammtisch entstanden, wo wir uns zum Grillen getroffen haben. Und aus dem Stammtisch ist dann nachher noch ein Stammtisch geworden, wo wir uns zum Spielen getroffen haben.

Nika:             Okay! Switcher – erzählt kurz – Switcher für die Leute, die das nicht wissen. Worüber spricht man da? Was sind das für Menschen, die switchen?

Matthias:     Ja, also, bei uns ist das Thema Switcher so, dass wir beide sadistisch und masochistisch sind, und halt dementsprechend da hin und her switchen. Also wir teilen beide gerne mal aus und stecken beide gerne mal ein. Das kann aber auch das Thema DS sein, also dominant/submissiv. Ist bei uns in dem Fall jetzt nicht, aber ist natürlich auch gerne willkommen, auch am Stammtisch.

Nika:             Wie viele Leute wart ihr damals da, auf dem allerersten Stammtisch? Und später dann auch an den anderen?

Matthias:     Der Switcher-Stammtisch hat immer so zehn bis 20 Leute. Das ist immer eine sehr übersichtliche Runde, ein paar Sofas voll. Im Moment leider wegen Corona ausgesetzt, weil die Location gerade nicht zur Verfügung steht. Und der andere Stammtisch, dieses Barbecue, was wir gemacht hatten, das belief sich auf – ich sag mal – siebzig bis hundertzwanzig Leute. In dem Bereich war der Play-Stammtisch nachher auch, den wir da gemacht haben.

Nika:             Wahnsinn. Also wenn ich mir jetzt so vorstelle, ich möchte mal sowas erleben: Wie bist du da so in diese Kreise gekommen? Kann man das einfach googlen oder gibt es da Foren für? Oder wie bist du da so reingerutscht, oder ihr später dann?

Matthias:     Also ich habe damals über die Homepage von unserer Location geguckt. Wir haben in  Hamburg so verschiedene, einschlägige Locations. Die haben einiges an Stammtischen im Angebot. Da hatte ich dann mir einen rausgesucht, der mir zusagen würde, und das war in dem Fall denn damals der Switcher-Stammtisch. Ich habe selbst auch eine Homepage, die ist leider im Moment ein bisschen unaktuell – muss ich gestehen.

Nika:             Kannst du mir ja später noch sagen, ob ich die verlinken soll oder nicht.

Matthias:     Du kannst sie ja mit reinnehmen, die wird auch wieder aktualisiert werden, spätestens, wenn die Situation sich mal wieder so ein bisschen gesetzt hat, so dass man wieder was machen kann in der Szene. Im Moment steht ja alles ziemlich still leider. Ansonsten gibt das ja noch, ich sag mal, einschlägige Communities. Wer da Interesse hat, kann sich auch nachher gerne an mich wenden. Du kannst gerne unsere Kontakte verlinken am Schluss. Da kann ich auch gerne Tipps geben.

Nika:             Sehr schön. Jetzt müssen wir ja mal so ganz vorne anfangen, weil gerade auch viele Fragen so von kompletten Anfängern kamen mit Bedenken. „Was sind das für Leute?“ „Bin ich da überhaupt sicher?“ „Mit welchem Thema ich da überhaupt …“. Wie stellt man sich das vor, wenn man sich überlegt, ich möchte jetzt zu einem Stammtisch gehen? Kann man in dem Fall dich anrufen und einfach sagen: Hör mal, hier, ich hab dieses und jenes Thema. Kann ich mal vorbei kommen? Oder wie läuft sowas?

Matthias:     Das wäre eine Möglichkeit, ja. Das ist bis jetzt, ich glaube, zweimal vorgekommen, dass ich mal angerufen worden bin, denn die meisten Leute trauen sich das nicht. Aber ich krieg des Öfteren Emails oder direkt über die Communities, dass ich angeschrieben werden, dass Leute sagen: Mensch, ich bin noch nie auf einem Stammtisch gewesen. Irgendwie traue ich mich nicht. Wie sieht das aus? Ich sag mal, 90% der Stammtische sind da gerne für zu haben für Neulinge. Die freuen sich, wenn da Leute sich melden. Es gibt Stammtische, die sagen: Wir fangen eine halbe Stunde früher an für die Neulinge, die können dann schon mal kommen. Dann sind die schon mal sicher angekommen und kommen nicht in eine Gruppe von zwanzig, dreißig Leuten, die sie noch nie gesehen haben.

Nika:             Das ist ja nett.

Matthias:     Ja, da muss man vorher einfach mal anschreiben, die Veranstalter. Normalerweise findet man von denen irgendwo Kontaktinformationen. Einfach mal fragen. Eigentlich sind da alle sehr offen für.

Nika:             Jetzt mal eine kurze Zwischenfrage an Danielle. Ich muss ja immer auch so ein bisschen an die Frauen denken. Wenn man als Frau jetzt so überlegt: Naja, auf so eine Kink-Party alleine als Frau, das ist ja schon so eine Herausforderung. Aber wie ist das denn, wenn ich jetzt mir überlege, als Frau, als Single, mal zu so einem Stammtisch zu wollen. Hast du da Erfahrungen? Hast du dich da mal mit anderen Mädels drüber unterhalten, wie die dazu gekommen sind, oder wie die es auch geschafft haben, so mutig zu sein und sich da zu melden?

Danielle:       Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Mädels da natürlich alle sehr, sehr unterschiedlich sind. Die Extrovertierten sind einfach da oder die Schüchternen. Es gibt ja die Möglichkeit durchaus, für sich zu gucken, ob es Kontaktdaten von dem Stammtischleiter gibt, dass man den mal anspricht so von wegen: Mensch, ich bin alleine, wie sieht das aus? Kann ich vielleicht schon mal vorher kommen und mir da alles angucken? Oder kannst du mich an die Hand nehmen? Es gibt ja auch die Möglichkeiten, mal in den Foren zu gucken, wer ist bei diesen Stammtischen angemeldet? Man kann sich vielleicht eine andere Frau raussuchen, die man schon mal trifft oder mit der telefoniert und sagt: Mensch, wir schlagen da zu zweit auf. Da gibt es schon viele Möglichkeiten. Genau.

Nika:             Kommt das denn oft vor, dass sich Mädels, also Single-Mädels, bei euch melden und genau da so zu euch kommen und sagen: Ich trau mich nicht so richtig, aber ich würde gerne an die Hand genommen werden?

Danielle:       Das gibt es schon mal. Es ist, wie gesagt, tatsächlich selten, dass wir tatsächlich direkt angeschrieben werden. Aber das ist jederzeit willkommen, und wir sind da immer sehr gerne bereit, das zu machen. Manchmal tauchen die tatsächlich auch einfach auf und sind einfach da, sagen: Hallo, ich bin die und die, ich bin  hier neu. Wie sieht’s aus? Kann ich mich dazu setzen?

Nika:             Wenn man dann schon den Schritt geschafft hat, dahin zu kommen, da würde ich jetzt mich die ganze Zeit fragen: Mmh, was passiert denn eigentlich auf so Stammtischen? Matthias, du hattest das gerade schon mal so erwähnt, es gibt solche und solche. Einfach so zum Quatschen, oder auch speziellere, oder dann auch später zum Spielen. Wenn wir jetzt wieder bei den Anfängern bleiben: Was passiert da an so einem Abend?

Matthias:     Also ich würde auf jeden Fall jedem Anfänger raten, erstmal so einen Standard-Stammtisch aufzusuchen. Ob es jetzt ein BDSM-Stammtisch ist, oder bei uns liebevoll ‘Tüddeltreff‘ genannt, ein Bondage-Stammtisch oder sowas, da kann man überall erstmal gucken und sich mit den Leuten unterhalten. Da ist überall nicht irgendwie, dass man da im Zugzwang ist, dass man da sofort spielen muss, oder dass man sich ausziehen muss, oder irgendwie solche Sachen. Es gibt natürlich auch diverse, sehr spezielle Stammtische, die würde ich dann eher empfehlen, wenn man schon die ersten Erfahrungen gemacht hat. Und ansonsten einfach hingehen und erleben, würde ich sagen. Da ist jeder Stammtisch auch ein bisschen anders. Es gibt halt die kleineren, die so sind wie unser Switcher-Stammtisch, wo wir dann irgendwo bei zehn Leuten sind.

Da kommt man natürlich sehr schnell mit in die Gesprächsrunde rein. Wenn man einen größeren Stammtisch hat mit dreißig, sechzig, hundert Leuten oder so, da ist es dann schon schwieriger, irgendwie mit reinzukommen. Aber da ist ja, wie Danielle schon sagte, wenn man da vorher irgendwie vielleicht schon mal guckt, dass man da Kontakt findet, dass man eine Person hat, mit der man vorher schon mal ein bisschen gechattet hat oder so und sich mit der da trifft, dann hat man da schon mal einen Anschluss. Viele Leute kennen auch viele Leute, und dann kann man sich da sehr schnell integrieren meistens.

Nika:             Ich weiß jetzt nicht, ob das eine komisch gestellte Frage ist, aber wahrscheinlich bin ich nicht die Einzige, die sich das fragt: Ist das dann so, dass man sagen muss: Hallo zusammen, ich bin Nika, und ich habe das und das Thema. Oder ist das dann so ein bisschen, erstmal dazu setzten, Wasser trinken, … wie bei so einer Selbsthilfegruppe oder so? Wie läuft denn die Vorstellung von neuen Leuten ab?

Matthias:     Das ist auch ganz unterschiedlich. Es gibt Stammtische, die haben da richtig so ein Ritual, da läuft das vielleicht auch so in der Art ab. Bei uns ist das eigentlich, jeder kommt nach der Reihe, setzt sich mit auf die Couch, und entweder ist das jemand, den sowieso alle kennen. Der geht einmal rum und knuddelt alle. Oder man setzt sich da halt zu, sagt: Moin, ich bin Christian. Oder was auch immer. Dann kommt man meistens auch mit ins Gespräch rein.

Nika:             Ich muss das so fragen, weil ich mir das so schwer vorstellen kann. Ich muss unbedingt auch mal zu einem von euren Stammtischen gehen, wenn es denn wieder geht. Das ist dann einfach so ein lockerer Abend, wie man das halt so kennt, wenn man sich in einer Bar trifft. Dann kommen Einzelgespräche zusammen: Wie ist das denn bei dir? Was mache ich so? Also ganz normal, als wäre man in einer Kneipe, oder so?

Matthias:     Genau. Erst sind das ganz normale Gespräche. Da geht das nicht mal um das Thema SM oder Sex, oder so. Teilweise unterhält man sich auch über ganz banale Sachen erstmal. Irgendwann kommt das Thema immer auf den Tisch. Aber es ist nicht so, dass man da jetzt gezwungen ist, solche Themen unbedingt zu besprechen. Es wird da auch keiner in Grund und Boden ausgefragt. Eigentlich ist das eine total lockere Runde und jeder kann erzählen, muss aber nicht. So habe ich das bis jetzt erlebt.

Danielle:       Dass das ganz normale Gespräche sind über Hobbies, Urlaub, was auch immer gerade ansteht, und dann irgendwann vielleicht mal das Thema kommt: Ach Mensch, ja, du bist auch hier. Wie sieht es denn bei dir aus? Switcht du auch? Wie ist das bei dir verteilt? Aber wie Matthias schon sagt, dass da jemand in Grund und Boden ausgefragt wird, der das nicht möchte, also da sind die Leute auch sehr rücksichtsvoll, gerade wenn man sagt: Mensch, man ist neu hier und möchte nur mal gucken oder sich einen Eindruck verschaffen. Das ist alles gar kein Problem.

Nika:             Ist das alterstechnisch auch bunt gemischt?

Matthias:     Da würde ich sagen, kommt auch auf den Stammtisch drauf an. Es gibt ja z. B. die SMJG-Stammtische. Die gibt es, glaube ich, in jeder größeren Stadt, und die sind, glaube ich, bis 27 Jahre, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

Nika:             Was bedeutet SMJG?

Matthias:     Sado-Maso-Jugend, irgendwie sowas.

Nika:             Oha. Die gibt’s?

Matthias:     Das ist ein Verein, und die sind irgendwie überall vertreten. Die haben auch z. B. beim Christopher Street Day einen eigenen Wagen, wo sie dann einen Teil mit organisieren nur für die SM-Gemeinde. Ach nee, gar nicht, einen Wagen haben sie nicht, aber einen eigenen Block, wo sie mitlaufen.

Nika:             Okay, ja guck mal. Wieder was gelernt. Wenn man dann jetzt so tiefer in diese ganze Materie eindringt – Play-Stammtische. Du hast auch gesagt, du betreibst einen, wo man dann auch wirklich aktiv wird. Für die Leute, die sich dann akklimatisiert haben und dann auch Interesse an weiteren Dingen haben – wie läuft denn sowas dann ab? Also wie schafft man denn dann den Switch von diesem Bierchen-Trinken hin zum wirklichen Play-Abend?

Matthias:     Da gibt es natürlich auch wieder verschiedene Stammtische.

Nika:             Nenn mal ein paar Beispiele!

Matthias:     Also der von uns ist auch so eine ganz lockere Runde. Da würde ich jetzt auch sagen, der ist auch total Anfänger-geeignet, weil jeder hinkommen kann, es kann jeder angezogen sein wie er möchte. Es findet in einer entsprechenden Location statt. Daher kann man da gerne in Lack-Leder-Latex kommen, man kann nackt kommen, man kann da was weiß ich was anziehen. Da ist alles möglich. Man kann aber auch einfach von der Arbeit kommen und das anbehalten, was man den ganzen Tag anhatte. Da wird man nicht schräge angekuckt.

Da sind so ein paar Grüppchen, die sitzen in Sofaecken zusammen und unterhalten sich. Und irgendwo dazwischen wird dann irgendwie gespielt. Ich würde sagen, das ist ein recht einmaliger Stammtisch, der da entstanden ist, da ist alles vertreten. Da sind Leute die fesseln, da sind Leute die peitschen, da sind Leute, die führen da ihre DS-Spiele durch. Andere Leute sitzen einfach nur nackt auf der Couch und freuen sich, dass sie da sind.

Nika:             Wie auf einer Party, so eine Kinkparty, wenn man da mal war. Hört sich so an.

Matthias:     Bloß, das ist jetzt nicht ‘ne Party, da läuft halt irgendwie so ein bisschen im Hintergrund etwas Musik, getanzt wird da nicht. Die Leute kommen halt nach Feierabend, trinken da ein Bierchen, gucken zu, unterhalten sich miteinander. Andere essen Pizza und andere sitzen da und spielen irgendwie. Alles ist vertreten. Da kann man auch schon mal sehen, dass Leute eventuell mit Thema Nadeln beschäftigt sind, also mit Kanülen, die sich da gegenseitig in die Haut stecken und sowas. Damit muss man natürlich mit klar kommen. Aber man kann sich auch in eine andere Ecke setzen, wenn man sowas nicht sehen möchte.

Nika:             Man kann ja wahrscheinlich auch immer sagen: Du, danke, aber ich bin dann weg. Oder? Das ist wahrscheinlich nicht mit irgendwelchen Regularien verbunden oder irgendwelchen Verträgen oder sowas.

Danielle:       Was ich nochmal dazu sagen wollte, zum Thema Stammtische. Gerade, wenn man alleine ist, weiblich ist und falls es doch mal sein sollte, dass sich vielleicht jemand daneben benimmt, was wirklich sehr, sehr selten vorkommt, dann kann man auch jederzeit sich an den Stammtischleiter wenden und sagen: Mensch, der benimmt sich hier nicht so gut. Dann werden wir den auch sicherlich ansprechen und den verwarnen. Falls es dann auch nicht dazu kommen sollte, dass er aufhört, wird er auch des Stammtisches verwiesen. Das nehmen wir sehr, sehr ernst tatsächlich auch.

Nika:             Das ist gut zu wissen, weil ich glaube, das ist auch noch so eine Sache. Gerade, wenn es dann schon weiter geht, dass man wirklich dann mal den Mut fasst und sagt: Komm, ich gehe jetzt mal zu so einem Play-Stammtisch, dann ist es, glaube ich, ganz gut, wenn man weiß, dass es da auch so ein Safe-Place einfach ist.

Danielle:       Da wird eigentlich auch in jeder Location drauf geachtet. Jeder Veranstalter sagt: Mensch, wenn da einer unangenehm auffällt, sagt gerne Bescheid. Wir sprechen den an und regeln das für euch.

Matthias:     Was noch wichtig zu sagen wäre vielleicht: Es gibt sicherlich einige Leute, die sagen: Oh, nee, Stammtische, da kann ich nicht hingehen. Aus beruflichen Gründen geht das nicht. Da würde ich sagen, das ist kein Grund, den man vorschieben kann, weil die Leute, die dahin gehen, gehen dahin, weil sie halt Bock auf das Thema haben. Wenn man in der Bank arbeitet und sein Vorgesetzter ist da, was will denn der? Der ist ja auch da! Der kann einem ja keinen Strick daraus drehen, der macht ja die gleichen Geschichten.

Denn kommt hinzu: Normalerweise ist in solchen Locations immer striktes Foto-Verbot. Also man braucht da auch keine Angst zu haben, dass irgendjemand Bilder macht, und das taucht irgendwo auf. Klar, wenn man sich in einer Kneipe trifft, aber dann sind eh alle in Zivil da. Nur mal so, um die Allgemeinheit nochmal ein bisschen zu motivieren. Man kann da gerne hinkommen. Man hat eigentlich nichts Schlimmes zu erwarten.

Nika:             Gibt es Tabu-Themen? Gibt es so Themen wo man sagt: Nee, also das wollen wir jetzt hier nicht besprechen und ansprechen?

Matthias:     Würde ich sagen, ist auch wieder Stammtisch-bedingt. Wenn ich auf einen Bondage-Stammtisch gehe, dann ist das da teilweise nicht so gewünscht, dass da überhaupt geredet wird. Da soll man dann entweder zugucken oder zuhören und fesseln. Aber ansonsten, wenn man irgendwelche Themen-Stammtische hat … klar, wenn man zum Peitschen-Stammtisch geht, dann wollen die auch nicht die ganze Zeit über Klinik reden. Wenn man das mal macht, ist das sicherlich kein Problem.

Nika:             Kurz nochmal zum Thema Bondage. Wenn du jetzt sagst, da kann man gerne gucken. Kann man da auch hingehen und sagen: Ich möchte auch gerne mal gefesselt werden? Kann das mal jemand machen? Oder: Ich möchte das lernen!

Matthias:     Das kann man, ja. Also es gibt in Hamburg auf jeden Fall einen, das ist auch ein relativ großer. Der kann leider auch im Moment nicht stattfinden. Da sind auch immer zwischen achtzig und hundertzwanzig Leute, würde ich sagen. Da gibt es eine Einführungsrunde. Das kann man sich mit angucken. Teilweise hat sie auch noch keinen Vorführ-Bunny, also keine Vorführ-Person auf der Bühne. Dann sucht sie sich noch an dem Abend jemanden, der dann da freiwillig sich fesseln lässt und auf die Bühne stellt.

In den Genuss bin ich damals auch mal gekommen. Ansonsten verknüpft sie dann halt da die Paare und fragt: Wer will denn hier alles bei der Einführungsrunde mitmachen? Ja, da stehen schon ein paar Paare, hier sind noch ein paar einzelne. Wer würde denn hier mit dem und und wer würde mit ihr … dann finden sich da eigentlich Leute zusammen, und teilweise entstehend daraus auch schon irgendwelche Verbindungen, die dann längerfristig auch zusammen fesseln.

Nika:             Wie oft trifft man sich, wenn man Mitglied bei Stammtischen ist?

Matthias:     Mitglied braucht man nicht sein. Stammtische kann man einfach so besuchen, wenn man Lust hat. Entweder, man kommt da jedes Mal hin. Ich glaube, der Tüddel-Stammtisch ist alle zwei Wochen, normalerweise. Es gibt aber auch monatliche, das ist unterschiedlich. Aber es gibt da keinen Zwang. Es gibt’s nicht, dass man sich da irgendwo eintragen muss oder so. Die meisten sagen: Ich komme vorbei. Und dann kommt man vorbei. Einige wünschen das gerne, dass man sich da anmeldet vorher oder dass man Bescheid sagt, wenn man hinkommt. Aber die meisten Stammtische, da kann man einfach hinkommen.

Ein paar Schlagwörter

Warum macht sie das?

  • aktuell: BDSM greifbarer machen
  • Ermutigen auch einen Blick über euren Tellerrand zu wagen

Wie macht sie das?

  • Ausbruch - neue/alternative Wege gehen
  • Motivation und Inspiration durch Menschen, Momente und nimmersatte Neugierde

Womit macht sie das?

  • Mit Geschichten aus dem wahren Leben.
  • Mit eigener Erfahrung, die sie euch zu Nutze macht.
  • Mit knallharter Wahrheit und derzeit jeder Menge Fakten über die schwarz-bunte Welt der BDSM Szene