#14 Go for it – Als Mann als Frau fühlen

Die heutige Folge widme ich Männern, die sich als Mann auch ab und zu (oder parallel) als Frau fühlen. Ich rede von Männern, die sich gerne in Frauenkleider zwängen bzw. die sich darin gerne kleiden. Ich rede bewusst von zwängen, weil sie oft und gerne Korsagen anziehen wollen. Aber dazu später mehr.

So richtig aufgefallen ist es mir durch meine letzte Session. Es war eine spontane Sache. Ich habe eine Mail bekommen, ob ich denn heute Zeit hätte und ob ich denn grundsätzlich Feminisierungen machen würde, denn derjenige würde sich ganz gerne mal wieder verwandeln. Ich hatte bereits in einer anderen Folge erzählt, wie ich schon mal eine Feminisierung (in Verbindung mit Babyplay) durchgeführt habe. Umso spannender fand ich das jetzt mit einem anderen Gast zu machen, denn jeder ist da ja anders.

Er hat mir zwar ein paar Eckdaten gesagt, aber es war keine richtige Zeit für die Vorbereitung. Was passierte also? Nachdem ich ins Studio gefahren bin, habe mich fertig gemacht und währenddessen wunderte ich mich, was im Garten los war, denn dort war eine undefinierbare Wuselei. Ich hatte jetzt auch nicht so viel Zeit, weil mein Gast schon kam, und irgendwann sehe ich im Garten einen Mann stehen, der ein schwarz-rotes Lackkleid anhat, eine rote Perücke trägt und auf High Heels einfach dasteht.

Als Mann als Frau fühlen im direkten Vergleich

Man gewöhnt sich an kuriose Gestalten und Ansichten und dass man immer mal wieder irgendwo hinschaut und da steht dann auf einmal irgendwas Komisches, was da vorher nicht stand, ist tatsächlich fast „normal“. Und trotzdem kann man es nie so richtig einschätzen: Ist es jetzt ein Sklave oder bin ich jetzt unbewusst ein Teil einer Session geworden oder was passiert hier gerade? Ich habe es in dem Moment hingenommen und dachte: Konzentrier dich jetzt auf deinen Gast, der kommt ja jetzt gleich.

Als Frau fühlen

Was habe ich mit diesem Gast gemacht?

Grob gesagt habe ich diesem Mann eine Stunde beigebracht, wie man auf hohen Schuhen läuft. Als er mir das sagte war ich etwas verdutzt, wie so oft. Ich habe lieber nochmal nachgefragt: Das machen wir jetzt eine Stunde? Ja, das würde ihm reichen, er möchte unbedingt lernen, wie Frauen auf diesen Schuhen laufen, weil er es immer total cool findet, das zu sehen.

Gut. Gesagt, getan.

Ich fand es super, weil Feminisierungen wirklich Spaß machen. Das muss ich an der Stelle kurz mal sagen, denn einen Mann zu einer Frau umzumodellieren, das ist echt eine feine Sache. Allein, weil es ein Grenzbereich ist. Viele Männer wollen tief im Innern sicher mal Strumpfhosen oder einfach auch mal einen Rock anziehen oder eine Perücke oder sich einfach mal ein bisschen mehr pflegen. Anders pflegen, z.B. sich an Stellen rasieren, wo sie sich sonst nicht rasieren, oder sowas. Ich denke, ich lehne mich nicht aus dem Fenster, wenn ich sage, dass das viele Männer mal machen wollen, es aber lassen, da es oft noch ein riesengroßes Tabu-Thema ist.

Die wenigsten wollen es zugeben, denn das wäre ja eine Katastrophe. Sich als Mann als Frau fühlen geht ja gar nicht.

Früher wurde man dafür verbrannt oder gehängt. Mittlerweile ist es ja nicht mehr ganz so schlimm, aber das ist immer noch ein Thema, worüber wenige Männer sprechen wollen. Denn wenn irgendwas in Stein gemeißelt ist, dann ist es die Männlichkeit. Und dazu gehört natürlich alles andere als ein Frauenkleid anzuziehen. Dementsprechend ist es immer total spannend für mich, wenn ein Mann wirklich zu mir kommt und sich aus tiefstem Herzen wünscht, dass ich ihm helfe, eine Frau zu werden. Dem war dann auch so. Als wir dann im entsprechenden Raum waren, hieß es: Was ziehen wir denn jetzt an?

Er wünschte sich Strapse, halterlose Strümpfe und wollte gern ein Dienstmädchen-Outfit anziehen. Es ist für mich auch immer total spannend in diesem Raum zu sein, allein weil da ganze viele Frauenkleider und Perücken hängen und sämtliche Klamotten, die Frauen so haben. Und alles in XXL. Wenn man auf den Schrank guckt, sieht man z.B. Pumps in Größe 43, 44 und aufwärts. Zu sehen, wie die Augen strahlen, wenn die Männer dann den Schrank aufmachen und all die schönen Sachen sehen. Accessoires wie Ringe, Ohrringe, Armbänder, Ketten, künstliche Brüste, BHs, Kleider, und zuletzt immer der Blick nach ganz oben zu den Schuhen. Da geht ihnen das Herz erst richtig auf.

Wie lief die Session also ab?

Ich wusste, mein Auftrag ist, ihm das Laufen beizubringen, aber bevor man läuft, muss man sich ja auch erstmal entsprechend kleiden. Und er wollte, dass ich ihm auch beibringe, wie sich eine Frau generell verhält: wie sie sich bewegt, wie sie sich bückt, also damen-like bückt, wie sie sich Strümpfe anzieht. Man kann sie anziehen, und man kann sie anziehen. Jede Frau weiß das. Die Hürde, sie heile anzuziehen, ist schon sehr hoch, denn wenn man Fingernägel hat … man weiß es.

Zack, Laufmasche drin, schade.

Auf jeden Fall war ein Teil der Session, dass ich ihm gezeigt habe, wie man lasziv Strümpfe anzieht. Wie bückt man sich als Dame? Wie bewegt man die Hüfte beim Laufen und wie setzt eine Dame sich hin, um sich die Schuhe anzuziehen? Oder, oder, oder. Das war wirklich für mich auch total spannend, denn natürlich versuche ich dann auch immer damen-like zu wirken. Aber wenn man tief in seinem Inneren ein ‚Pottkind‘ ist, ist das manchmal wirklich schwierig, so zu sein. Dementsprechend habe ich mir da selber auch mal wieder so ein bisschen was hervorgerufen.

Wenn ich ihm was gesagt habe und er es nicht zu meiner Zufriedenheit verrichtet hat, sollte ich mitzählen und somit die Strafen sammeln. Und entsprechend dann, wenn wir in einen anderen Raum gegangen sind, wo dann auch ein Bock stand und genug Platz zum Laufen war, habe ich seine bisherigen Fauxpas in Schläge umgesetzt. Das war auch so gewünscht. Er hat sich zumindest sehr drüber gefreut, dass ich das mit ihm mache.

Dementsprechend hatte ich nach einer gewissen Zeit einen in Frauenkleider gekleideten Mann an einer Leine, mit einer Gerte in der Hand, hinter mir stehen. Als Mann als Frau fühlen in voller Pracht.

Wir sind runter gelaufen in den anderen Raum. Er musste mir dann auch zeigen, wie man eine Treppe runter läuft, alles natürlich damen-like und grazil. Unten angekommen ging es dann weiter. Er hatte mir vorher gesagt, wie er sich genauer vorstellt. 1 ½ Stunden insgesamt, ¾ Stunde anziehen, Laufen üben. Und ½ Stunde wollte er tatsächlich in einen Käfig gesperrt sein in seinen Klamotten, um das Ganze auf sich wirken zu lassen.

Nachdem wir noch ein bisschen geübt haben, hat er sich in den Käfig begeben müssen. Ich habe ihn eingesperrt, bin gegangen und habe ihn ½ Stunde alleine gelassen. Ich hatte ihn vorher gefragt, wie er sich das vorstellt, weil er ein Asthmatiker war. Aber er sagte, es sei das Größte für ihn, jetzt gerade in diesem Käfig zu sein, durch die Gitterstäbe zu schauen – nur mich zu sehen, wie ich da ein bisschen im Raum rumlaufe auf meinen Schuhen. Man hat auch da gemerkt, dass er sehr viel mit dem Kopf in der Situation ist und sich da völlig in diesen Moment reinempfunden hat. Und das Alleinsein war für ihn auch ganz toll, denn ich habe ihm die Aufgabe gegeben, mich entsprechend zu empfangen wenn ich wieder reinkomme.

Frei nach dem Motto: ich könnte jetzt auch ein Lover sein, eben wie eine Dame einen Lover empfängt. Es war seine Aufgabe, da was draus zu machen. Für ihn war es das Größte, diese Aufgabe zu haben. Er hat sich bedankt, dass ich ihn mit dem Gedanken jetzt alleine lasse. Dementsprechend ging die zweite Hälfte der Session dann auch weiter, natürlich mit den Strafen, die er dann ertragen musste.

Als Mann fühlen

Der Plug im Po war ja schließlich auch schön, erst recht mit Puschel hinten dran.

Natürlich war das alles wieder so strange. Aber so konnte ich es am eigenen Leib erfahren, wie sich er sich als Mann als Frau fühlen kann.

Man muss sich vorstellen, wenn jemand etwas sich ganz dolle wünscht, es aber auch nicht ausleben kann, also nicht dann, wenn er das möchte, sondern nur zu gewissen Zeiten, dann genießt man den Moment ja umso mehr. Das Ganze war einfach ein Zelebrieren seines Wunsches, und auch da wieder: nach dieser Session war er so dankbar.

Er kniete sich hin und fragte, ob er seinen Kopf auf meinen Schoß legen könnte.

Ich sagte: Ja klar. Dann saß ich da auf meinem Thron, er hatte seinen Kopf auf meinen Knien und bedankte sich unzählige Male. Es war wunderbar und alles toll. Eigentlich ist er wieder etwas befreiter und es ist so schön, einfach auch mal Frau sein zu dürfen ohne irgendwelche Vorurteile. An sich recht bitter. Denn da kann man mal sehen, mit welchem Druck Menschen rumlaufen, die sich gerne ausleben würden, aber aus Angst vor der Gesellschaft es nicht tun. Das passiert mir ja oft. Das ist auch der Grund, warum ich diese Folge jetzt mache, um zurückzukommen auf den Anfang.

Männer in Frauenkleidung. Das geht ja eigentlich gar nicht.

In gewissen Szenen schon und in gewissen Städten sicherlich auch. Aber das ist ja bei weitem noch nicht gesellschafts-konform in den Köpfen der Menschen. Das hat mich echt erschrocken. Denn auf der einen Seite, ja, natürlich war es schön das so auszulegen und ihm dabei zu helfen, es ausleben zu können. Aber es hält ja immer nur für eine gewisse Zeit an. Und mit diesem Gedanken ist er auch wieder gegangen. Er sagte:

Das sei jetzt für den Moment schön und er ernährt sich jetzt ein paar Tage, Wochen, vielleicht sogar 2, 3 Monate davon. Aber er weiß ganz genau, dass es sich danach wieder sukzessive aufbaut – dieser bereits bekannte Druck.

Um dann wieder irgendwann zu uns kommen zu müssen, weil er sich nicht traut, das so zu leben. Ich fand das total spannend als er sagte, dass er, um das wenigstens ansatzweise ausleben zu können, manchmal unter dem Anzug seine Nylons trägt. Ist das der Wahnsinn? Erstmal frage ich mich jetzt ganz oft wenn ich Anzugträger sehe: Mmh, vielleicht trägt der eine Bondage-Korsage drunter, oder generell eine Korsage, oder ein Frauenhöschen, oder Nylons, oder was auch immer. Man weiß es ja nicht.

Das ist so krass, dass diese Menschen das so ausleben müssen, damit es bloß nicht auffällt. Von daher würde ich mich riesig freuen, wenn ihr mutig genug seid und mir eure Geschichten erzählt. Sich als Mann als Frau fühlen ist was ganz besonderes. Vielleicht habt ihr auch so eine Vorliebe und würdet sie gerne ausleben und könnt es aber auch nicht, aus welchen Gründen auch immer. Was sind eure Gedanken dazu? Wie macht ihr das dann? Wie lebt ihr das aus?

Ich freu mich auf eure Geschichten.

Ein paar Schlagwörter

Warum macht sie das?

  • aktuell: BDSM greifbarer machen
  • Ermutigen auch einen Blick über euren Tellerrand zu wagen

Wie macht sie das?

  • Ausbruch - neue/alternative Wege gehen
  • Motivation und Inspiration durch Menschen, Momente und nimmersatte Neugierde

Womit macht sie das?

  • Mit Geschichten aus dem wahren Leben.
  • Mit eigener Erfahrung, die sie euch zu Nutze macht.
  • Mit knallharter Wahrheit und derzeit jeder Menge Fakten über die schwarz-bunte Welt der BDSM Szene