#20 Eselreiten im SM-Studio? Über (Rollen-) Spiele

Dass (Rollen)-Spiele im Domina-Studio so eine große Rolle spielen werden, hätte ich nie gedacht. Aber einfach nur gut, dass es so ist.

Im Nachhinein muss ich sagen, hatte ich oft Glück.

Die ersten zwei Gäste, bei denen ich zusehen (und auch ein wenig mitmache) durfte, waren für mich so bizarr, dass ich sie wohl nie vergessen werde. Beiden widme ich einen eigenen Artikel, denn beide weckten in mir zwei Extreme, mit denen ich der Kindheit konfrontiert wurde. Wer wissen möchte, wie es ist einen Spanner zu erwischen, kann sich gerne folgenden Artikel durchlesen. In diesem Artikel hier erzähle ich vom zweiten, der meine Erinnerungen an Kindergeburtstage zumindest etwas beeinflusst.

Dieser Gast, von dem ich heute erzähle, ist ein Gast, der regelmäßig für Spiele zu den Mädels kam und als Stammgast galt.

Er wollte immer andere Dinge erleben, die er sich, wie er mir selbst erzählte, spontan ausdenkt und dann direkt umsetzen will. Die witzigste, an die ich mich erinnere, war, dass er mal nackt Eselreiten mit zwei Damen zusammen spielen wollte, um seine imaginäre Beförderung und Gehaltserhöhung zu feiern. Als Hommage an seinen bisherigen Erfolg, sah er dieses Spiel als Ergebnis seiner erfüllten Kindheit und seiner Laufbahn, die er für sich gewählt hatte. Dass dieser Mann eine sehr ausgeprägte und wahnsinnig spannende Fantasie hat, wurde mir u.a. so schnell klar.

Lass uns ein Spiel spielen

An diesem Tag kam er mit der Idee eine Steuerrückzahlung zu feiern. Alleine diese Tatsache würde ich persönlich auch entsprechend der Höhe gebührend feiern. Nur nicht unbedingt in Form von blinde Kuh und Topfschlagen spielen. Ich muss ja gestehen, dass diese ganze Szenerie etwas in mir ausgelöst hat, was ich zu Beginn und beim Kennenlernen nicht einordnen und somit nicht mit umgehen konnte. Was war das? Richtig. Topfschlagen, blinde Kuh spielen, Eselreiten. Das sind alles Dinge, die ich mit meiner eigenen Kindheit verbinde und die ich nicht mit erwachsenen Männern in Einklang bringen will.

Das ist eine Kombi, die ich mich dazu bringt, an Pädophilie zu denken. Gott sei Dank hat sich diese Befürchtung zerschlagen, als ich ihn dann später live beim Spiel erlebt habe. Diese Szenerie erinnerte mich dann eher an einen Asterix und Obelix Film; als sie Aufgaben erfüllen mussten, um als Götter anerkannt zu werden. Dort gab es die Aufgabe der Weiblichkeit, Verführung, Ambrosia und dem Luxus auf einer wunderschönen Insel zu trotzen – erfolgreich.

Denn wenn auch diese beiden Figuren aus meiner Kindheit stammen, hat der Gast es eher auf unbefangene Spiele mit verspielten Damen und dem nicht erwachsen sein müssen, abgesehen. Wie sieht also eine Party für diesen Mann aus, um seine imaginäre Steuerrückzahlung mit blinde Kuh und Topfschlagen zu feiern? Bei solch einer Vorstellung würde ich jetzt gerne in die Köpfe aller Leser schauen – das wäre eine echte Party 😊

Spiele

Die Eckdaten sahen so aus: er nackt, zwei nette Damen, lustige Masken, die er freundlicherweise mitbrachte, eine Augenbinde und viel Platz.

Erinnerungen prägen – interessante Erkenntnis in dem Zusammenhang

Aus der Kindheit kenne ich es, dass unter dem Topf, der irgendwo im Raum platziert wird, Süßigkeiten liegen, die bei erfolgreicher Suche gegessen werden dürfen. Hier weit gefehlt – es sollten Naschis sein. Weil ja genascht wird, sollten es doch bitte auch diese Früchte sein, die er auch mitbrachte. Auch da sind der Fantasien keine Grenzen gesetzt. Und witzig ist es ja auch irgendwie, wenn auch gleichzeitig am Wahnsinn grenzend. Jeder kennt Topfschlagen. Und der, der sich die Erinnerung nicht nehmen oder verstörend ändern lassen möchte, sollte jetzt nicht unbedingt weiterlesen. Denn man stelle sich mal vor, wir Kinder hätten dieses Spiel nackt gespielt, während uns die Erwachsenen zugesehen hätten.

Skandalöser hätte es nicht sein können.

Also: ein nackter Mann, zwei nackte Damen und wer war der, der auf allen vieren rumkriechen musste? Natürlich standesgemäß der Gast. Und dass man diese beiden Spiele miteinander so verbinden kann, hätte ich auch nie gedacht. Denn ein blinder Esel, der mit einem Kochlöffel nach dem Topf sucht, während eine Dame auf ihm reitet und die andere ihn tritt – das war ein sehr interessantes Bild. Und ganz nebenbei gehörte der Kochlöffel zum Inventar und wurde für gewöhnlich komischerweise für andere „Spiele“ genutzt. Da kann man sich vorstellen, mit welchen Augen ich nach dieser Session nun auf diesen Kochlöffel schaue und generell auf meine zuhause, wenn ich mir abends was zubereite.

Was bei dieser Session extrem cool war, war der Spaßfaktor, den wir alle hatten. Ein Quantum Spaß ist immer dabei. Aber hier haben wir uns alle von der Situation mitreißen und tatsächlich doch auf angenehme Weise in die Kindheit verführen lassen.

Zwischendurch habe ich an ganz alte gemalte schwarz-weiß Comics gedacht, die man durch aufblättern von den einzelnen Seiten zum Leben erweckt hat. Dazu die passende Musik wie aus Tom und Jerry und schon war das Cabaret perfekt. Als der Gast dann anfing IA zu schreien, hatte der Klamauk seinen Höhepunkt (höhö).

Ok, um ehrlich zu sein, merkte ich da dann doch wieder so ein mulmiges Gefühl, da die ganze Situation an sich ja schon hart grenzwertig war.

Spiel spielen
Nicht alle Spiele sind schön.

Und mein Kopf klopfte ab und zu bei mir an, um mich zu fragen, ob wir hier gerade noch im wahren Leben sind. Aber das sind solche unvorhergesehenen Momente, die immer mal wiederkommen. Dann ist der Gast so in seinem Spiel-Film drin, dass er meine Realität zu seiner neuen formt. Und mich automatisch als Passagier mitnimmt. Ich hätte mich fragen können, warum er auf einmal IA schreit. Zumal er ja gerade eine Kuh war. Aber wahrscheinlich hat er die vergangene Session mit eingebaut, weil sie gerade in die Filmszene passte.

Wie fühlten wir beiden Damen uns bei diesem Spiel? Natürlich war es komisch nackt auf einem Mann zu reiten, der von hinten getreten wird und blind durch den Raum kriecht, um eine Birne zu finden. Abgesehen von der körperlichen Anstrengung fest im imaginären Sattel sitzen zu bleiben, war die Szenerie an sich u.a. aus den o.g. fast unbeschreiblich. Man kann sich das als Otto-Normal-Verbraucher eh schon schwer vorstellen. Aber so komisch es auch klingt. Irgendwann war ich voll drin und hatte durch den Gast eine schöne Erinnerung an viele lustige Spiele auf Kindergeburtstagen, die ich selbst miterleben durfte. Gott sei Dank haben wir das Sackhüpfen ausgelassen.

Unbewusst gewusst ist die Kindheit sehr prägend für jede Menschen. Und den ein oder anderen prägt sie doch mehr als gedacht.

Ein paar Schlagwörter

Warum macht sie das?

  • aktuell: BDSM greifbarer machen
  • Ermutigen auch einen Blick über euren Tellerrand zu wagen

Wie macht sie das?

  • Ausbruch - neue/alternative Wege gehen
  • Motivation und Inspiration durch Menschen, Momente und nimmersatte Neugierde

Womit macht sie das?

  • Mit Geschichten aus dem wahren Leben.
  • Mit eigener Erfahrung, die sie euch zu Nutze macht.
  • Mit knallharter Wahrheit und derzeit jeder Menge Fakten über die schwarz-bunte Welt der BDSM Szene