#80 BDSM Unfälle – Rettungssanitäter erzählt Teil 1

BDSM Unfälle? Ja, die gibt es. Sie passieren sogar recht häufig. Die einen kann man am Ende mit Humor nehmen, die anderen haben teils schwerwiegende Folgen. Unbedachte Einläufe, vergessene Schlüssel, ungefragter Analsex… Zwischen Humor und Aufklärung – ein Rettungssanitäter gibt uns 10 Beispiele.

So, ja, hallo Fabian! Ich freue mich riesig, dass du da bist. Es ist ja immer total spannend. Jede Geschichte ist spannend. Aber als du dich bei mir gemeldet hast, habe ich echt gedacht: Oh, mein Gott! Das wird eine riesen Sache. Da freue ich mich mega drüber.

Bevor du anfängst zu erzählen, möchten wir einmal kurz darauf aufmerksam machen, es werden natürlich witzige Stories dabei sein, und wenn wir lachen oder ein bisschen Humor walten lassen, dann ist es nicht, weil wir sarkastisch sind, böse oder so. Sondern wir verfolgen hier natürlich auch einen Lehrauftrag. Die Geschichten sollen natürlich auch als Hinweis dienen. Wenn ihr dann da selber aktiv werdet, dann solltet ihr das im Hinterkopf halben, was da alles so passieren kann. Von daher wollen wir das einfach nur sagen. Wir erzählen, und wir lachen sicherlich auch mal, aber wir werden natürlich auch darauf hinweisen, wenn es dann mal ein kleiner Hinweis darauf ist, dass ihr aufpassen solltet, was ihr so tut. Aber am Ende dürfen wir auch lachen. Wir sind ja alle nur Menschen, und das soll ja auch alles in Ordnung sein. Von daher fangen wir einfach mal an.

Nika:             Fabian, hallo. Ich freue mich riesig, dass du da bist.

Fabian:         Hallo Nika, ich freue mich auch sehr.

Nika:             Du hast mir ja vorher schon mal ein paar Stories geschickt. Die habe ich mir durchgelesen und dachte: Oh ja, okay, alles klar. Super Sache. Deshalb sollten wir einfach mal anfangen. Du hast mir zehn Geschichten geschickt, und wir werden über diese zehn Geschichten auch sprechen. Die allererste, da fand ich witzig, dass mir das selber auch schon passiert ist. Denn du hast mir geschrieben, dass du schon mal in einen Einsatz gerufen wurdest. Ach richtig. Ich habe ja noch gar nicht erzählt, wer du bist. Hör mal! Stimmt.

Wir müssen ja noch sagen, du bist Sanitäter. Du kannst dich vielleicht selber mal vorstellen. Dass wir das schon mal wissen, bevor du die Geschichte gleich erzählst. Also wir wissen, du bist Notfall-Sanitäter und hast verschiedene Stories mitgebracht, wo du zu Einsätzen gerufen wirst. Und die allererste war zum Stichwort „Einlauf“ – Rotwein-Einlauf. Dazu möchte ich ganz kurz erzählen, witzig, habe ich nämlich auch schon mal erleben dürfen, als ich damals noch in einem Swingerclub gekellnert habe.

Vielleicht sind wir uns da schon begegnet. Man weiß es nicht. Aber da habe ich in einem Swingerclub gekellnert, und da war ich noch super grün hinter den Ohren und hatte noch überhaupt keine Erfahrung. Gut, als Hotelfachfrau kennst du das Doing an sich so als Kellnerin. Aber irgendwann hat man blaue Lichter gesehen, Tatü, Tata, und ich denke: Was ist hier los? Mein Arbeitskollege sagte mir damals nur: Gewöhn dich dran. Das passiert öfter. Und ich denke: Okay!? Krass! Am Ende ist es genau das gewesen, worüber du uns jetzt mal erzählen wirst. Erzähl uns über den Rotwein-Einlauf!

Fabian:         Ja, also der Rotwein-Einlauf war eigentlich ein sehr spannender Einsatz, weil wir einfach nur gerufen wurden zu einer bewusstlosen Person. Das kann von Herzinfarkt bis Schlaganfall alles Mögliche sein. Wir haben dann diese Wohnung betreten und wollten uns natürlich erstmal ein Bild über die Lage machen. Da hat man schon gemerkt, dass man da nicht so wirklich mit der Sprache rausrücken wollte. Und im weiteren Verlauf haben wir dann mal ein bisschen uns die Wohnung angeguckt, und da standen überall sehr viele Weinflaschen rum. Irgendwann kam dann mal so die Frage auf, ob denn hier auch größere Mengen Alkohol im Spiel waren.

Da wurde uns dann gesagt: Ja, aber die hat er nicht getrunken. Ja klar, dann haben wir natürlich gefragt: Ja wie, was ist denn hier überhaupt so ambach gewesen. Irgendwann ist die gute Dame dann halt mit der Sprache rausgerückt, dass es sich wohl um einen Rotwein-Einlauf gehandelt hat, und der Mann einfach sehr, sehr, sehr betrunken war dadurch. Klar, also egal, welche Einsätze man in Bezug auf so sexuelle Unfälle oder so fährt, da wird einem natürlich vor Ort das Höchstmaß an Pietät angelegt. Also egal, was passiert, vor Ort sind wir da immer professionell, machen unseren Job wirklich bis auf 100 % genau. Aber das war so eine Situation, wo man dann mal vorm Nichts stand, und irgendwann wurde halt gesagt: Okay, der hat einen Rotwein-Einlauf bekommen. Das war schon im Nachgang nicht witzig, aber eben kurios.

Nika:             Erzähl mal kurz über dich. Du bist Sanitäter. Du hast wahrscheinlich ja diverse kuriose Einsätze. Wenn du zu sowas gerufen wirst, kannst du das, blöd gesagt, irgendwie nachvollziehen? Oder war das wirklich für dich auch Neuland, wo du dachtest: Sowas geht überhaupt? Wieso kommen Leute auf sowas?

Fabian:         Natürlich hat man schon Einsätze gehabt, wo man sich gefragt hat: Wie kommt man dazu? Oder wie ist das jetzt passiert? Das ist natürlich jedes Mal aufs Neue so ein Ritt uns Ungewisse. Also man bekommt so eine Meldung, und dann bereitet man sich ein bisschen auf was vor. Wenn man dann davor steht und wirklich gesagt bekommt: Okay, der hat einen Rotwein-Einlauf bekommen! Dann steht man natürlich im ersten Moment da und sagt: Jaaa, okay! Aber natürlich, das ist für mich auch jedes Mal aufs Neue erstmal: Okay, warum? Wieso? Weshalb? Dann muss ich mich aber sehr schnell wieder auf den Patienten konzentrieren. Es ist auf jeden Fall jedes Mal aufs Neue spannend.

Nika:             Wie hast du diesen Menschen vorgefunden?

Fabian:         Der lag eigentlich relativ entspannt auf dem Boden. Wir haben uns dann natürlich erstmal darum gekümmert, dass wir unser ganzes Equipment anbringen, das heißt, wir haben natürlich alle Vitalwerte erhoben und natürlich geguckt, dass es dem Patienten dann schnell besser geht. Wie gesagt, für uns war immer nur wichtig, den Grund dieser Bewusstlosigkeit zu erfahren. Da druckste man dann halt die ganze Zeit drum herum, und irgendwann haben wir dann auch mal gesagt: Okay, passen Sie mal auf. Sie müssen jetzt einfach mal mit der Sprache rausrücken, damit wir dem Menschen auch helfen können.

Nika:             Bei mir war das damals so, als die Sanitäter dann anrückten. Sie konnten zum Glück direkt feststellen: Okay, da ist ein Schlauch, da ist ein Trichter, da steht eine Flasche Rotwein. Wir haben es dann sehen „dürfen“, was dann so passiert ist. Der Wein ist ja dann entsprechend auch wieder rausgeflossen – ungefragt. Wie geht man dann damit um? Was habt ihr denn dann gemacht?

Fabian:         Nachdem die Frau dann gesagt hat, da war ein Rotwein-Einlauf – das Equipment für den Einlauf war übrigens nicht irgendwie da, wo der Patient lag. Vielleicht haben die das in einem anderen Raum gemacht! – haben wir den Patienten dann umgelagert auf unsere Trage. Dann kam im Rettungswagen dieser Rotwein wieder zum Vorschein. Das sind halt so Sachen, da macht man sich keinen großartigen Kopf drum. Weil, ich sag mal, in der Hochsaison für Weihnachtsmärkte, bricht ja auch jeder dritte Patient vielleicht mal in den Rettungswagen, weil er einen Glühwein zu viel gehabt hat. Da sagt man jetzt nicht: Um Gotteswillen! Klar kommt dann natürlich Rotwein irgendwo raus. Das ist ungewöhnlich. Aber das putzt man nachher ordentlich weg, desinfiziert die ganze Karre, und dann ist es in Ordnung.

Nika:             Über welche Menge spricht man da? Das habe ich jetzt damals nicht mitbekommen. Aber ich glaube ja nicht, dass es ein Liter war, oder? Dann wäre er ja wahrscheinlich nicht mehr so unbedingt da. Um welche Mengen geht es da?

Fabian:         Mir wurde damals von der Frau, glaube ich, gesagt, das waren irgendwie dreieinhalb Flaschen, die da irgendwo im Spiel waren. Ob die jetzt alle da reingeflossen sind, ober ob doch was getrunken worden ist, kann man im Nachgang nicht mehr sagen. Da waren auf jeden Fall sehr viele leere Weinflaschen. Aber man weiß ja auch nicht, vielleicht waren die auch den ganzen Tag schon mit den Einläufen zugange. Es kam jedenfalls nicht wenig aus diesem Patienten raus.

Nika:             Hast du die Dame gefragt, warum sie das gemacht haben? Ich würde ja jetzt mal behaupten, gerade wenn man sowas zuhause macht, ohne dass das jetzt böse klingen soll, aber wahrscheinlich haben die das irgendwo mal gesehen oder gelesen und haben sich gedacht: Cool, machen wir mal. Weißt du, dass denen das bewusst war, dass er dadurch am Ende ja eine Alkoholvergiftung hatte?

Fabian:         Bei manchen Einsätzen würde ich das gerne wirklich mal erfahren. Ich würde die Leute gerne mal fragen, warum, wieso, weshalb. Wie sind sie darauf gekommen? Leider ist es so, da wir ja dann schon zeitkritisch einen Einsatz haben, dass da leider die Zeit nie für bleibt. Das heißt, wir müssen uns wirklich auf den Patienten konzentrieren. Wenn wir dann rausgefunden haben, was mit dem Patienten ist, müssen wir ihn halt schnell dem Krankenhaus zuführen. Aber leider habe ich das nie erfahren, was die Beweggründe für diesen Rotwein-Einlauf waren.

Nika:             Okay. Gut. Was würdest du den Hörern gerne mitgeben, wenn die jetzt sagen: Achja, Rotwein-Einlauf könnte man ja mal machen! Zu meiner Schande muss ich gestehen, zu Abi-Zeiten gab’s mal dieses Mysterium „Wodka-Tampon“. Hast du da den Leuten etwas zu sagen, worauf sie da vielleicht mal achten sollten? Oder sollte man das generell einfach sein lassen?

Fabian:         Also grundsätzlich, wenn man der Meinung ist, man müsste das jetzt unbedingt ausprobieren, dann informiert euch. Es gibt über alles und über jedes Thema im Internet Foren oder Webseiten. Holt euch da die Informationen von Leuten, die das schon mal gemacht haben. Nicht einfach aufs Blaue mal lustig drei Flaschen Wein in einen Menschen schütten. Das kann wirklich Folgen haben. Ich meine, jedem das Seine. Wir sind eine offene Gesellschaft. Aber dann wirklich vorher ein bisschen planen. Auch mit dem Partner sprechen. Wie wollen wir das machen? Und nicht irgendwie: Komm, wir holen uns mal einen Schlauch, wir holen uns mal einen Trichter und einen guten Rotwein! Dann mal los! Da gibt es ganz viele Stellen, an die man sich bestimmt wenden kann, und da mal ein paar Informationen ranholen. Das wäre ein großer Punkt.

Nika:             Ich habe damals gelernt, grundsätzlich machen Menschen das wohl, um schneller betrunken zu werden, als würde man sich das oral zufügen. Ist das eigentlich richtig? Oder warum kommen Menschen überhaupt auf die Idee, sowas zu tun?

Fabian:         Grundsätzlich kann man sagen ja. Auch dieser berühmte Wodka-Tampon hat irgendwann diesen Effekt, mal man halt nie das Gefühl hat, man hat jetzt diese Mengen an Flüssigkeit im Magen. Ich glaube, das ist eigentlich der größte Punkt, dass viele halt nicht das Gefühl haben können, dass sie da jetzt so horrende Summen Wein oder irgendwelche anderen Spirituosen getrunken haben. Ich glaube, das ist eigentlich der Punkt. Von der Medizin her würde das genauso aufgenommen wie über den Magen. Es führt auch zum selben Effekt. Man kann es halt nur nicht so gut steuern. Wenn man es nicht oral zuführt, dann sagt der Körper irgendwann: Hör mal, mein Magen will das hier nicht mehr. Dann kommt es ja irgendwann auch zum Übergeben, was eben über die Darmschleimhaut oder über andere Schleimhäute nicht der Fall ist. Das ist das Gefährliche daran. Ich kann das nicht so gut steuern.

Nika:             Also sagen wir einfach: Macht es lieber oral – also trinken!

Fabian:         Genau, da ist auch wenigstens ein bisschen Genuss dabei.

Nika:             Ja, genau. Hast du denn mitbekommen – hat er das gut überstanden? Ist alles schick? Oder kriegt ihr sowas gar nicht mehr mit?

Fabian:         So hat er das, glaube ich, gut überstanden. Er hat dann seinen Rausch ausgeschlafen und konnte dann die Klinik auch ganz normal wieder verlassen.

Nika:             Na wunderbar. Aber ist ja interessant. Dann haben wir das auch schon mal gehört, dass es sowas gibt und dass man das vielleicht im besten Fall dann doch lieber sein lassen sollte. Es gibt ja gute Alternativen, wie du schon sagst. Der Magen ist ja da so ein bisschen kontrolltechnisch unterwegs und sagt dann: Nee, jetzt reicht’s. Beim Einlauf ist das ein bisschen schwierig.

                       Wunderbar. Private Geschichten sind ja sowieso auch immer sehr interessant. Bevor wir jetzt auch gleich auf so richtige Studio-Unfälle gehen, hattest du mir noch eine zweite Geschichte erzählt zum Thema Stichwort „Hotel –  Innenstadt – Schulmädchen-Outfit – Schlüssel“! Erzähl uns das gerne mal.

Fabian:         Das war wirklich ein sehr, sehr spannender Einsatz. Das muss auf einem Samstag gewesen sein. Es war auf jeden Fall Bomben Wetter. Die Innenstadt war wirklich voll besetzt von Menschen. Und irgendwann wurden wir zu einem Hotel gerufen, dass sich vor der Tür wohl ein Auto befindet, wo eine Frau wohl in Notlage wäre. Wir sind dementsprechend dahin gefahren. Vor Ort bot sich folgendes Bild: Es war ein Pärchen, das von weiter weg angereist ist, und wollten ein bisschen, sagen wir mal, ein bisschen mehr Stimmung reinbringen. Er hatte sie im Schulmädchen-Outfit im Fahrzeug mit wirklich gut ausgewählten, massiven Handschellen gefesselt.

Jetzt war aber leider die Problematik, dass dieser Schlüssel nirgendwo aufzufinden war. Die Thematik haben wir da angesprochen, ob er den zuhause vergessen hatte, oder ob der irgendwie im Auto sei. Er wüsste es nicht. Er war natürlich auch ein bisschen durcheinander in der Situation. Ja, wir haben dann natürlich erstmal die Frau gefragt, ob es ihr soweit gut ginge oder ob wir uns jetzt ganz, ganz, ganz beeilen müssten. Nein, es wäre alles in Ordnung. Es wäre ihr halt alles so fürchterlich peinlich. Gut, das konnte man jetzt nachvollziehen, wenn man da vor so einem Hotel steht, und dann rückt als erstes ein Rettungswagen an.

Weil wir jetzt natürlich kein technisches Gerät mit haben, waren wir dann eben auch irgendwann gezwungen, auch mal die Feuerwehr zu alarmieren. Die sind dann – natürlich ohne Blaulicht und ohne großes Tamtam – gekommen, um diese Frau mittels eines Bolzenschneiders von ihrer Fessel zu befreien. Dann war diese Frau halt frei, hat sich tausendmal bei uns bedankt. Dann sind die beiden aber ziemlich zügig abgedampft. Ich glaube, die haben ihr gebuchtes Hotelzimmer auch nicht mehr wahrgenommen.

Nika:             Ohje. An dieser Stelle möchte ich dich mal fragen – natürlich haben wir uns ja im Vorhinein auch schon darüber unterhalten – ist das jetzt okay, wenn ein Sanitäter so Interna erzählt? Aber du hast das ja auch abgesprochen, und wir machen das ja auch anonym, und es soll ja auch wirklich dazu dienen, auch mal solche Sachen zu erzählen. Darfst du oder kannst du uns erzählen, wie das für euch als Sanitäter ist, wenn sowas kommt oder ein Notruf. Da wusstest du ja wahrscheinlich noch nicht, was auf dich zukommt. Wenn du zu so einem Einsatz gerufen wirst und das Szenario da erblickst, mal unter uns, wie ist das für euch als Sanitäter?

Fabian:         Wie soll man das beschreiben? Man kann sich unter dem Stichwort ‚Person in Zwangslage‘ ja irgendwie nicht großartig was vorstellen. Das kann der Bauarbeiter sein, der jetzt in irgendeinem Rohr feststeckt. Dann kommt man dahin, steigt aus dem Auto. Dann hat da jemand halt gewinkt. Ich sage: Haben Sie den Rettungsdienst gerufen? Da wurde mir schon so beschämend blickend gesagt: Ja! Man fragt natürlich erstmal: Was ist denn passiert? Wie können wir helfen? Dann war da aber wirklich der Vorteil, er hat sofort mit der Sprache rausgerückt. Er hat gesagt: Pass auf, so und so, das und das ist passiert. Ich sage: Alles klar.

Wirklich, da würde man jetzt nicht in schallendes Gelächter ausbrechen und sagen: Mein Gott, wie kann man denn sowas machen? Sondern da wird dann wirklich geguckt. Jeder Einsatz ist eine Situation für eine Person, wo sie Hilfe braucht. Und so handeln wir auch. Im Nachgang, wenn man dann irgendwann mal wieder von der Einsatzstelle wegfährt, dann kommt man schon mal ins Grübeln und teilweise wirklich auch ins Schmunzeln. Was aber völlig normal ist. Selbst wenn man die Geschichten ja nur hört, ist es ja schon lustig. Wir machen uns ja nicht über die Person lustig, sondern einfach die Situation. Das ist eben diese Situationskomik, die dabei entsteht. Wir wahren bei jedem Einsatz die Pietät.

Wir haben natürlich auch geguckt, dass wir da vielleicht mal mit dem Auto ein bisschen um die Ecke fahren, dass jetzt nicht jeder in der Innenstadt sehen muss, dass die Feuerwehr da an einem Auto rumbastelt, in dem dann eine Frau in so einem knappen Schulmädchen-Outfit sitzt. Da muss man natürlich ein bisschen drauf achten. Du sitzt oder stehst dann da, guckst dir die Situation an, und im ersten Moment entscheidest du: Ist das jetzt lebensbedrohlich oder nicht? Deswegen habe ich sie auch gefragt: Ist soweit alles in Ordnung? Jaja, ist nur alles so furchtbar peinlich. Ich sage: Ja, kann ich mir vorstellen. Aber wir regeln das hier schon. Beruhige dich, wir sind ja jetzt da.

Nika:             Am Ende war sie ja auch nicht verletzt. Das muss man ja auch mal sagen. Ist ja eigentlich wirklich, wie du schon sagst, Situationskomik am Ende gewesen, oder?

Fabian:         Ja genau, und das Problem war, er hat mir auch gesagt, hätte er jetzt gewusst, dass er den Schlüssel zuhause liegen gelassen hat, wären sie wieder zurück gefahren. Aber er wusste halt wirklich nicht, wo dieser Schlüssel ist. Und ich sag mal, er hatte die Handschellen wirklich gut ausgewählt. Also das waren jetzt nicht diese 08/15-Dinger. Dementsprechend waren die auch unangenehm an den Handgelenken. Deswegen, das war schon ein Einsatz, wo jemand Hilfe gebraucht hat.

Nika:             Wo war sie denn im Auto fixiert? Das muss ich jetzt mal fragen, weil ich mir das gerade vorstelle.

Fabian:         Sie war quasi auf dem Beifahrersitz mit den Händen nach hinten um die Rückenlehne gefesselt.

Nika:             Hui, aber da muss man ja jetzt auch kurz mal sagen: Könnte auch schiefgehen. Stichwort Unfall oder so. Da muss man ja auch schon ein bisschen gucken.

Fabian:         Das haben wir uns im Nachgang nämlich auch gedacht, dass es natürlich nicht so glücklich gewählt ist, wenn dann auf dem Weg zum Hotel ein Unfall passiert wäre. Erstens die Verletzungen sind dann natürlich viel, viel höher, wenn deine Arme hinten bleiben und der Körper will nach vorne. Zweitens sollte man schwerer verletzt sein. Und dann muss man als Feuerwehr oder Rettungsdienst dann noch an irgendwelchen Handschellen rumbasteln. Das ist nicht so förderlich für so eine Situation. Da wieder der Hinweis auch: Macht euch Gedanken auch über solche Sachen.

Nika:             Wahnsinn. Vor allem, jetzt im schlimmsten Fall, das Auto landet im Wasser. Da muss man ja auch schneller rauskommen. Das ist ja am Ende doch eine ziemlich gefährliche Sache. Da kann man mal sehen. Jetzt waren wir gerade noch bei den lustigen Sachen. Aber wenn man da mal drüber nachdenkt. Kann auch schiefgehen.

Fabian:         Was man natürlich sagen muss, wenn man jetzt lustig mit so einem Auto unterwegs ist. Jetzt stellt man sich mal vor, man steht irgendwie an einer Ampel und ein etwas höheres Auto guckt da in so ein Auto und sieht eine junge Frau mit Handschellen an den Sitz quasi gefesselt, kann das auch mal zu Polizeikontrollen führen. Würde ich jetzt mal behaupten.

Nika:             Stimmt.

Fabian:         Da sollte man halt wirklich drauf achten, dass das ein bisschen besser geplant ist.

Nika:             Ja, guck mal, eine Situation und viele Varianten, wie es vielleicht hätte besser laufen können.

Fabian:         Auf jeden Fall.

Nika:             Ja gut. Du hattest mir ja, wie gesagt, diese Liste geschickt. Da war eine Story bei, da haben wir vorher schon drüber gesprochen, und da haben wir auch erst überlegt: Sollen wir, sollen wir nicht? Es gibt natürlich auch Situationen, die für euch auch als Sanitäter sehr unangenehm sind, weil es Folgen haben wird. Es gibt jetzt nicht nur ausschließlich Einsätze, wo es glimpflich ausgeht. Wir sprechen jetzt gleich über einen Fall, wo es dann tatsächlich leider dazu gekommen ist, dass derjenige das nicht überlebt hat.

Wir haben uns natürlich im Vorhinein gefragt: Machen wir das oder nicht? Aber ich glaube schon, dass wir da jetzt drüber sprechen sollten, das gehört nun mal auch dazu. So schlimm es ist. Es soll ja auch dazu dienen, um mal zu überlegen: Okay, ist das zu extrem, was wir jetzt machen, unüberlegt, doof? Erzähl uns gerne mal daher die Geschichte mit der Glühbirne.

Fabian:         Das war wirklich so ein Fall, wo man da stand und im ersten Moment überhaupt nicht wusste, was jetzt hier überhaupt irgendwie passiert ist. Wir haben einen Herrn vorgefunden, der sich wohl eine Glühbirne rektal eingeführt hat, diese sogar noch mit einer Fassung versehen hat, ich denke mal, damit die Glühbirne irgendwie warm wird oder sowas. Diese Glühbirne ist leider dann kaputt gegangen. Entweder ist er durch den Stromschlag oder durch die massive Verletzung des Darms dann gestorben. Das ist so eine Nummer, das ist in keinster Form irgendwie lustig. Da sollte man sich drüber amüsieren.

Das ist ein sehr freakiger Anblick, weil man überhaupt nicht weiß, warum, wieso, weshalb. Wieso guckt da ein Kabel aus dem Menschen raus. Bis man das wirklich mal selber voreinander hat, vergingen dann auch mal einige Minuten. Das sind vielleicht so Situationen, wo wir wieder beim Thema Lehreffekt sind. Informiert euch über die Sachen, die ihr machen wollt. Es gibt Sachen, die durchaus gefährlich sind.

Nika:             Kurz zur Aufklärung: Was ist da anatomisch passiert?

Fabian:         Anatomisch ist da wahrscheinlich durch das Kaputtgehen der Glühbirne, durch die Scherben, der Darm perforiert worden. Der Darm ist auch sehr gut durchblutet. Dementsprechend kommt es dann dadurch zu sehr massiven Blutungen. Wenn dann auch noch Storm ins Spiel kommt! Da habe ich auch nicht mehr verfolgt, woran er jetzt letztendlich genauer verstorben ist. Es gibt eben die Variante Strom oder es gibt die Variante durch diese massive Darmverletzung.

Nika:             Ich glaube schon, dass es wichtig ist, dass man sowas auch mal anmerkt. Natürlich könnte man sich jetzt überlegen: Wer steckt sich denn eine Glühbirne in den Po? Aber manchmal ist es ja auch so, dass man an solche Sachen gar nicht denkt. Gerade im sexuellen Kontext ist es ja so, dass man nicht mehr ganz so klar denken kann, weil man erregt ist oder sich auf die Situation so freut, oder, oder…

Dann kann es ja schon mal sein, dass man manche Dinge nicht so beachtet. Aber Folgen kann leider auch sowas sein. Da fällt mir jetzt gerade auch ein: Wir hatte ja auch über eine weitere Situation gesprochen, die wir vielleicht jetzt auch als Übergangsthema zum Stichwort Domina/Domina-Studio nehmen können. Du warst ja auch mal zu einem Einsatz, wo es auch so unschön geendet ist: Stichwort Kabelbinder und Bett. Erzähl uns gerne mal diese Geschichte. Die fällt mir jetzt gerade noch spontan ein.

Fabian:         Das war einfach eine normale, sage ich jetzt mal, Wohnungsöffnung, wo die Nachbarn angerufen haben oder irgendwer. Die Person wäre jetzt schon seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen worden. Da sollte doch bitte mal jemand nachgucken. Wir haben dann die Tür geöffnet und in einem Bettgestell eine Person liegend vorgefunden, die Kabelbinder an Händen, Füßen und u. a. auch am Hals hatte. Diese Person war leider auch verstorben. Da war niemand sonst mehr in der Wohnung.  Hatte er sich das selbst zugeführt? War das ein abgesprochenes Spiel? Oder war das vielleicht auch mal ein Kriminaldelikt? Das sind so Sachen, das ist auch nicht mehr unsere Aufgabe. Wir haben die Tür geöffnet, haben die Situation gesehen, und der Rest ist dann quasi Aufgabe der Polizei. Aber das sind so Sachen: Sprecht vorher ab, was ihr möchtet, und macht ein Codewort fest.

Nika:             Du hattest mir doch erzählt, als ihr in die Wohnung reinkamt, war das doch schon so eine kuriose Situation mit Folie, Fäkalien und so. War das jetzt vielleicht eine andere Geschichte? Du hattest mir doch erzählt, da war so eine Frau, eine offensichtliche Domina oder eine dominante Frau, die euch dahin gerufen hat. War das eine andere Geschichte.

Fabian:         Das war eine andere Geschichte. Die, wo wir die Person vorgefunden hatten, die Wohnung war einfach so komplett mit schwarzen – ich glaube, es waren Mülltüten – Folien verkleidet. Es war nirgendwo was Weißes zu sehn. In dem Schlafraum, wo wir diese Person gefunden haben, waren auch relativ viel Blut und Fäkalien. Da bot sich eben dieses Bild. Man wusste nicht: War es selber zugefügt oder war das ein Spiel, was ein bisschen aus dem Ruder gelaufen ist. Oder war es u. a., sagen wir mal, ein Kriminaldelikt?

Nika:             Wahnsinn. Da wären wir, glaube ich, bei einem guten Thema. Stichwort: Kabelbinder. Fifty Shades of Grey-Gedöne. Da kommen ja so Begriffe wie ‚Kabelbinder‘ ziemlich häufig vor. Ich habe es nicht gesehen, aber man könnte Kabelbinder immer schnell damit verbinden. Was hast du zu Kabelbindern zu sagen. Als Laie, wenn man jetzt unterwegs ist und sagt: Bor, so Fesselspiele wären mal ganz cool. Lass mal Kabelbinder kaufen.

Fabian:         Kabelbinder haben das große Problem. Sie werden durch Ziehen immer enger. Aber ich kann sie halt nicht mehr lösen. Das ist das große Problem, wenn man dann irgendwann das Gefühl hat: Okay, das ist jetzt doch vielleicht ein bisschen sehr eng. Dann kann ich diesen Kabelbinder halt nur durchschneiden. Wenn ich ihn aber so eng angezogen habe, dass das Durchschneiden dann nur noch mit einer Verletzung der Haut passieren kann, ist das sehr unschön. Da lieber vielleicht auf ein Seil zurückgreifen, was man auf jeden Fall wieder lösen kann.

Nika:             Ich glaube, das war ja damals auch das Problem, was in dieser mit Folie ausgekleideten Wohnung war. Die waren zu eng. Wahrscheinlich hat die Dame das dann einfach nicht mehr aufgekriegt. Oder wie kannst du dir vorstellen, wie das damals war?

Fabian:         Vorstellen kann ich mir das wirklich schwierig, weil ich ja überhaupt nicht weiß, wie der Zusammenhang da war. Aber Fakt ist, die Kabelbinder um den Hals waren tatsächlich, wie ich das in dem kurzen Moment gesehen habe, wirklich sehr, sehr eng. Das wird dann wahrscheinlich zu einem Erdrosseln geführt haben.

Nika:             Vor allem, wenn man sich das auch mal vorstellt: Du kannst ja auch nicht, wie du schon sagtest, ohne dass du den anderen verletzt, da mal eben mit einer Schere dahinter klemmen und versuchen aufzuschneiden. Zum einen, Kabelbinder aufschneiden mit einer Schere, kennt man aus dem Alltag, ist jetzt auch nicht das Einfachste. Aber dann mit einer Schere am Hals rumfuchteln, um die Dinger aufzukriegen, das ist ja auch eine Nummer. Sollte man generell einfach nicht tun.

Fabian:         Ja genau. Das Schlimme ist, viele haben ja vielleicht in dem Moment gar nicht den Weitblick zu sagen: Okay, wenn ich Kabelbinder einsetze, müsste ich vielleicht auch noch Werkzeuge vorhalten, um die auch zu lösen. Wenn es dann mal wirklich zeitkritisch wird, denkt man dann erst daran, irgendwelche Zangen oder Scheren zu suchen. Sollte man eigentlich nicht machen.

Nika:             Meine Güte. Also, Lehre daraus: Lasst Kabelbinder am besten einfach sein. Nehmt Seile oder irgendwas, und vor allem guckt euch die Knotentechniken an. Auch das ist so eine Sache. Youtube ja, ist hilfreich, aber diese Knotentechniken, das sollte man vorher einfach mal üben an irgendwelchen Geländern oder so. Einfach um zu gucken: Beherrsche ich das auch wirklich? Oder mache ich am Ende vielleicht doch einen Doppelknoten, den ich nicht unbedingt wieder einfach lose kriege?

Aber wir kommen ja später auch noch zu Beispielen, die schon wieder ein bisschen auch mit dem Alltag oder privaten Bereich zu tun haben, aber nicht so extrem enden. Deshalb lassen wir das jetzt mal sein. Die Beispiele waren aber wichtig. Ich hoffe, ihr Lieben habt da was mitgenommen. Passt immer darauf auf, was ihr da macht. Überlegt vorher, und lasst es zur Not sein oder nehmt softere Varianten. Denn ich glaube, diese ganze, extremere Wollen, lass uns mal mehr machen, ich will mehr, mehr, mehr, das ist sowieso so ein Thema. Womit wir ja dabei wären, im Domina-Studio angelangt zu sein. Du hattest mir Beispiele genannt. Stichwort: Atemreduktion. Kunde hatte ein Zeichen falsch gedeutet. Lass uns da gerne mal weitermachen. Denn da fängt es nämlich an. Stichwort: Weniger ist manchmal mehr. Ein bisschen aufpassen und Kommunikation. Was ist damals passiert zum Stichwort ‚Atemreduktion‘. Ihr wurdet zu einem Studio gerufen.

Fabian:         Genau. Wir haben in unserem Einsatzgebiet ein paar solcher Domina-Studios, oder auch ganz normale Sauna-Clubs, wo immer allerhand passiert ist. Dieser Einsatz war aber wirklich in einem SM-Studio. Letztendlich sind wir dahin gerufen worden mit dem Stichwort ‚bewusstlos‘. Als wir vor Ort ankamen, war die Situation aber schon relativ entspannt. Er war wieder bei Bewusstsein, und als wir dann gefragt hatten, was denn passiert ist, wurde uns gesagt, dass da wohl eine Fehlkommunikation stattgefunden hat und diese Atemreduktion wirklich soweit geführt hat, dass er dann kurzzeitig mal bewusstlos war. Wir haben den Patienten dann komplett untersucht. Er wollte dann auch nicht mit ins Krankenhaus.

Nika:             Ach, warum?

Fabian:         Konnte ich mir jetzt auch so vorstellen. Er wollte halt wirklich nicht. Wir haben da ganz ordentlich mit den beiden gesprochen. Das muss ich auch wirklich sagen, das war so ein wirklich cooler Einsatz, weil die halt wirklich sofort gesagt haben: Pass auf, da und daran hat’s gelegen. Das und das ist passiert. Wir bräuchten da mal eben kurz Hilfe. Dass es natürlich vor Ort ein bisschen entspannter war, die Person nicht bewusstlos war, hat uns natürlich gefreut. Dann haben wir immer weniger zu tun, und den Leuten geht es eben gut. Da war die Fehlkommunikation das größte Problem. Da dann auch noch mal der Lehreffekt: Sprecht genau ab, wenn jemand ein Codewort sagt, dann ist wirklich Schluss. Und auch nicht diese Codewörter irgendwie so wählen, dass sie zum Spiel gehören könnten, sondern wirklich klare Worte, die dann auch beide verstehen.

Nika:             Richtig. Das ist jetzt ein vielleicht etwas tatsächlich sarkastischer Übergang, aber du hast gesagt, Codewort absprechen. Stichwort: ungefragter Analsex. Das wäre als ein zweites Beispiel, dass es wichtig ist, miteinander zu sprechen und auch auf Codewörter zu achten. Erzähl uns gerne mal. Es gibt ja auch die Variante dominanter Mann und devote Frau in einem Studio. Was ist da passiert zu diesem Stichwort?

Fabian:         Die Absprache zwischen den beiden war wohl eher: komplett walten wie er möchte. Er kann ganz großes Tennis veranstalten. Es kam dann wohl in diesem Eifer des Gefechtes dazu, dass er dann halt auch den Analsex praktizieren wollte, das Ganze aber auch recht unvorsichtig. Sie war halt noch relativ unberührt, was das Thema angeht. Das Ende vom Lied war dann, dass es eine Analfissur gegeben hat, die dann auch ein bisschen geblutet hat und äußerst, äußerst schmerzhaft ist. Wir sind da auch – glaube ich – mit dem Einsatz Stichwort ‚chirurgisch‘ hingefahren und haben uns auch in Bild von der Lage gemacht.

Es war schwer, der Frau irgendwelche Informationen zu entlocken, weil sie wirklich sehr starke Schmerzen hatte, wo wir dann auch wirklich ohne die Gabe von Schmerzmitteln nicht so chillig ins Krankenhaus gekommen wären. Deswegen haben wir vor Ort noch ein paar Medikamente gegeben, dass sie ein bisschen die Schmerzen los wird. Wir sind dann tatsächlich in ein Krankenhaus gefahren, das auch eine Proktologie vorhält, wo man das dann wieder richten kann. Da jetzt wieder auch die Absprache: Du kannst alles mit mir machen. Das lässt ja auch einen Handlungsspielraum. Jeder definiert ‚alles‘ ein bisschen anders. Da hätte man vielleicht die Goes und NoGos ein bisschen besser besprechen sollen.

Nika:             Eine Fissur bedeutet ein Riss wahrscheinlich, oder?

Fabian:         Genau, da ist dann ein kleiner Riss am After entstanden. Diese Dinger sind äußerst, äußerst schmerzhaft.

Nika:             Wie ist er damit umgegangen? Wie kam es dazu oder wie war er drauf? Was hat er gemacht, als ihr da angekommen seid?

Fabian:         Er hat sich wirklich auch lieb um die Frau gekümmert. Man konnte jetzt nicht sagen, dass er da irgendwie in der Ecke gestanden hat und gesagt: Eh, die hat wat, mach mal! Er hat sich wirklich ganz lieb um sie gekümmert. Er hat dann auch versucht, irgendwie sie in eine Position zu bewegen, wo das für sie irgendwie ein bisschen angenehmer ist. Aber die Position gab es in dem Fall nicht. Er hat uns dann auch sofort gesagt: So und so, ich bin da ziemlich rabiat drangegangen. Das gehörte halt zum Spiel. Dabei ist das passiert. Dann intervenierte sie auch sofort und sagte: Ich bin auch nicht so erfahren gewesen damit. Das war, glaube ich, ein Schritt zu viel. Dann wussten wir ja auch, worum es ungefähr geht. Wir haben dann ein paar Schmerzmittel gegeben und sind ins Krankenhaus gefahren.

Nika:             Also an der Stelle möchte ich mal kurz als Domina sprechen. Bei uns ist es oft so, dass man das versteht und Verständnis dafür hat, wenn jemand zu uns kommt und sagt: Ich möchte gerne bitte einmal alles. Codewort brauche ich nicht. Ich bin total hart gesonnen. Mach mal. Das ist echt eine riesen Nummer, ihr Lieben. Da kann ich auch sagen, mittlerweile habe ich es gelernt. Aber ich musste es tatsächlich lernen durch Fehltritte, im wahrsten Sinne. Denn wenn mir jemand gesagt hat – früher als Neuling: Ich kann alles, ich brauche nichts. Mach mal.

Da ist man natürlich vorsichtig, aber man kann die Grenzen noch nicht so wirklich einschätzen. Da war es dann natürlich schon mal so, dass man dann gedacht hat: Gut, der will das jetzt so, also kriegt er es auch so, aber dass dann im Nachgespräch – sehr wichtig – gesagt wurde: Bor, das war zu viel. Deshalb ist das super wichtig, dass man darüber spricht und wirklich sagt: Das und das ist wirklich okay. Das ist nicht mehr okay.

Als kleiner Hinweis dazu: Wenn ihr ein Codewort benutzt, dann nehmt nicht so dieses Ampelsystem. Auch das ist hilfreich, grün: ist okay, gelb: ist ja-nee, rot: bitte sofort aufhören. Kann man nehmen, aber ich habe zumindest von den devoten Damen auch jetzt den hilfreichen Tipp bekommen: Nehmt ein Wort, das überhaupt nicht zur Situation passt. Wo man sofort weiß: Okay, wat? Da ist man vom Kopf her auch sofort raus. Irgendwie Nutella Brot, oder Pfirsich, oder irgendwie was, was überhaupt nichts mit SM, mit der Szenerie zu tun hat, mit gar nichts. Das als kleiner Hinweis. Das hat einen psychologischen Effekt, einen sehr hilfreichen.

Da ist man vom Kopf her auch sofort raus, weil man sich sofort fragt: Moment, wie kommt die/der jetzt auf Nutella Brot? Wie du schon sagst, reden miteinander und vielleicht auch einfach mal nicht zu viel wollen. Man ist ja schon mal schnell in Rage oder erregt, dann weiß man manchmal die eigenen Grenzen nicht und überschätzt sich, oder? Das können wir, glaube ich, so mal stehen lassen.

Fabian:         Ja.

Nika:             Wo waren wir? Ja genau, Atemreduktion, Analfissur, das sind, wie gesagt, so Themen, das kann man verhindern, indem man miteinander spricht. Kommunikation!

Ein paar Schlagwörter

Warum macht sie das?

  • aktuell: BDSM greifbarer machen
  • Ermutigen auch einen Blick über euren Tellerrand zu wagen

Wie macht sie das?

  • Ausbruch - neue/alternative Wege gehen
  • Motivation und Inspiration durch Menschen, Momente und nimmersatte Neugierde

Womit macht sie das?

  • Mit Geschichten aus dem wahren Leben.
  • Mit eigener Erfahrung, die sie euch zu Nutze macht.
  • Mit knallharter Wahrheit und derzeit jeder Menge Fakten über die schwarz-bunte Welt der BDSM Szene