#31 Schweigen ist mehr als Gold – alleine Kurzurlaub

Schweigen und Kurzurlaub mit und von sich selbst machen. Wenn auch anstrengend, sind es oft goldige Zeiten und man lernt sehr viel über sich selbst.

Einmal im Jahr mache ich Urlaub mit mir selbst. Ich fahre alleine irgendwo hin. Meistens, um mich körperlich und/oder seelisch einfach mal zu reinigen. Innerlich aufräumen hilft sehr und das darf man auch nicht unterschätzen. Abgesehen davon hat man immer wieder neue und schöne Erinnerungen, die man immer mal wieder hochkramen kann, wenn es wieder an der Zeit ist.

Das mache ich jetzt seit ein paar Jahren so und ich muss sagen, rückblickend war jede kleine Reise zu mir selbst eine gute Sache. Ich wusste zwar immer: gut, es wird irgendwie was mit Yoga zu tun haben oder eine Sportart, die ich noch nicht gemacht habe oder mal ein ganzes Sportwochenende. Oder auch mal Fasten. Das habe ich allerdings nur einmal ausprobiert, weil ich für mich festgestellt habe, dass es nicht so meins ist. Ich habe sieben Tage damals nichts gegessen und die ganze Prozedur mitgemacht. Danach war alles durcheinander. Entweder klappt das mit dem Fasten und man ist dafür geeignet oder nicht. Ich bin es definitiv nicht. Aber das soll dem Ganzen ja keinen Abbruch tun. Ich habe es mal gemacht, und wie es in so vielen Bereichen im Leben ist, muss man das ausprobieren, um festzustellen, ob das was ist, oder nicht. Haken dran. Dann lieber schweigen.

Leberwickel und ihre Wirkung

Es war damals schon eine coole Erfahrung, da ich auch körperlich einiges gemerkt habe. Ich meine, in dieser einen Woche passiert ja einiges mit dem Körper und ich wusste auch gar nicht, dass Leberwickel so einen großen Effekt haben. Das sind eigentlich nur nasse Wärmflaschen, die man sich auf die Leber legt und sich parallel jeden Tag befreit von sämtlichen Dingen im Körper. Dieses ganze Prozedere hat mich auf jeden Fall dazu gebracht, sich mal komplett leer und rein zu fühlen -das war schon cool. Aber wie gesagt, vielleicht habe ich da auch ein bisschen was falsch gemacht. Aber danach war einfach nur Hölle. Mein ganzer Körper war durcheinander und hat mich gefragt, was mit mir los ist. Ansonsten kann ich das jedem nur empfehlen, auch gerade Yoga-Wochenenden. Klar, Yoga ist auch immer so eine Sache. In Kombination mit schweigen, ist es eine wunderbare Möglichkeit abzuschalten.

Hot-Yoga: Qual und Erleichterung in einem

Auch da – entweder man mag es oder nicht.  Ich habe mich eigentlich bisher immer auf Hot-Yoga spezialisiert, habe das für mich gefunden, wahrscheinlich am Ende auch einfach, weil ich da immer so ein gewisses Extrem brauche.  Hot-Yoga ist ja 1,5 Stunden Yoga bei 40° Raumtemperatur und einer sehr, sehr hohen Luftfeuchtigkeit. Danach bin ich immer in einem Zustand, in dem ich in meinem eigenen Saft auf meinem total durchgetropften Handtuch liege und einfach nichts mehr machen kann, weil ich so fertig bin und so damit beschäftigt bin, mit meinem Kreislauf klarzukommen. Da kann ich nur schweigen. Aber das ist bisher immer meine Wahl gewesen. Ich werde auch zukünftig auf jeden Fall ein Hot-Yoga-Wochenende oder eine Woche im Ausland machen. Ich glaube, das ist noch ein bisschen was anderes und intensiver.

Aber was ich bisher erlebt habe, war schon echt cool. Die Yoga-Wochenenden, die ich bisher so gemacht habe, verbrachte ich in Klöstern.

Schweigen.

Das war auch eine sehr spannende Sache für mich. Gerade wenn man so einen Alltag hat, in dem eigentlich immer super viel passiert, da ist man schon etwas überfordert  mit der Stille und mit diesem ganzen Ablauf. Man reduziert sich in jeglicher Form auf das Kleinste, auf die Basis. Wahnsinn.

Kleine Ausflüge bringen auch schon einiges

Bevor ich diese Reisen gemacht habe, habe ich immer mal wieder Kurse gebucht. Dementsprechend bietet die VHS sehr, sehr coole Sachen an. Grundsätzlich ist es ja so, dass ich mich für viele Sachen interessiere, auch was die Psychologie angeht. Wenn man dann vor dem Laptop sitzt und Schlagworte wie Persönlichkeitsfindung, inneres Kind, Resilienzen – also Widerstandsfähigkeiten – liest, muss man natürlich so einen Kurs buchen und als Alternativprogramm natürlich dann auch Kochen, Basteln oder Töpfern. Alles gemacht. Ist zwar nicht schweigen, aber man hört ja immerhin viel zu.

Da lernt man sich auch auf viele Weisen immer wieder neu kennen. Natürlich war es da auch immer sehr zentriert auf diese psychologischen Themen. Und wenn man dann einfach nur einen Abend ausbricht und zu solch einem Kurs geht, dann geht man abends schon ein bisschen anders wieder nach Hause. Ähnlich wie diese Urlaube, die ich bisher gemacht habe. Da reicht auch schon ein Abend.

Schweigen

Nach diesen Wochen oder Wochenenden war es immer extremer, aber so ein Abend nach einem Kurs, da passiert ja auch unbewusst sehr viel. Man lernt viel. Aber man lernt auch vor allem viel über sich selbst, wenn man das zulässt. Das war schon spannend. Jetzt mag sich vielleicht der Eine oder Andere fragen, warum ich das mache. Was bringt mich dazu, das zu tun? Natürlich ist es für mich auch immer allein deswegen spannend zu erfahren, welchen Leuten man da begegnet, welchen Menschen, welchen Geschichten. Im Alltag begegnen einem ja schon immer sehr, sehr viele Sachen, viele Geräusche, viele Eindrücke, viele Impressionen. Man erzählt den ganzen Tag viel, man begegnet den Leuten und man schweigt sich ja dann auch nicht an. Man wohnt in der Großstadt, da trifft man ja sowieso öfter mal irgendwelche Leute abends zum Abendessen oder einfach zu einem Bierchen. Einfach so.

Man unterhält sich schon einfach im Alltag so viel: auf der Arbeit, im Studio, beim Sport. Jeden Tag begegnet man Menschen, die alles tun, aber nicht schweigen. Und zu den verbalen Ausdrücken, kamen ja dann auch die nonverbalen dazu, sprich diese ganzen Eindrücke, die man mitnimmt. Wenn man dann dazu auch noch viel Sport macht, sich anstrengt – da sucht man tatsächlich manchmal einfach nur diese klassische Auszeit. Und das predigen ja auch viele Menschen. Viele sagen, du musst dir mal ein bisschen Zeit für dich nehmen und einfach mal schweigen.

Zeit für sich ist so kostbar

Im Alltag klappt das manchmal. Aber manchmal muss es dann auch ein bisschen doller sein. Und deshalb habe ich mir irgendwann angewöhnt, einmal im Jahr eine kurze Reise mit mir selber zu machen, eben um zu schweigen. Allein deswegen fand ich das jetzt auch schon wieder schön, dass ich auch diese Zeiten mit in den Podcast nehmen kann. Denn natürlich begegnet man auf solchen Reisen auch sehr, sehr, sehr vielen spannenden und interessanten Menschen.

Und man hat auch erst recht dadurch sehr schicksalhafte Begegnungen. Da sind ja dann vor allem auch – klar – die Menschen so wie ich, die ein lautes Leben führen. Die ganz einfach mal eine Auszeit brauchen und die einfach mal zu sich sagen: so, ich bin dann mal weg.

Dann natürlich die Menschen, die zu sich finden wollen. Die vielleicht schlimme Schicksalsschläge erlitten haben oder ein bisschen vom Weg abgekommen sind, oder die einfach nicht mehr so richtig wissen, wohin mit sich.

Wenn man dann einmal vom Weg abgekommen ist oder eben einen Schicksalsschlag erlebt hat, dann sind solche Begegnungen oder solche Momente, wo man sich dann einfach mal rauszieht, sehr, sehr wertvoll. Da waren Menschen bei, die durch einen Unfall die halbe Familie verloren haben, die vor kurzem einen nahestehenden Menschen „nur“ durch den natürlichen Tod verloren haben. Aber das ist ja auch für viele nicht verarbeitbar und so fallen viele ins ewige Schweigen. Dann fällt der ganze Alltag irgendwie in sich zusammen und man weiß nicht mehr wohin. Also trotz dieser Schicksalsschläge oder dieser vermeintlich negativen Gründe, warum man da ist, sitzen diese Menschen da oft mit einer gewissen Stärke, die sie ausstrahlen.

Manche Menschen sind wirklich Vorbilder

Das kann man ganz schwer beschreiben. Aber oft ist es so, dass man denen trotz alledem gerne zuhört, weil sie aus dieser Sache was machen. Sprich, sie fallen nicht in ein Loch oder verkriechen sich nicht zuhause. Sonst würden sie da jetzt nicht sitzen. Das heißt, die setzen sich dahin, weil sie was ändern wollen, verarbeiten wollen, und aktiv was machen wollen. Das ist für mich auch immer so extrem spannend. In meinem Alltag begegne ich auch vielen Menschen, die da nichts gegen tun. Dieser Jammerfaktor ist ja sowieso sehr ausgeprägt mittlerweile und es werden viele Mittel genutzt, um aus diesem Alltag auszubrechen und ihn nicht bewusst mitzubekommen, sprich Fernsehen oder irgendwelche Social Media Kanäle, oder, oder.

Wenn man dann mal in so einem Yoga-Kloster oder bei einem Seminar, dann sind da genau die Menschen, die am Ende so denken und so sind wie ich selbst. Die nicht sich dem hingeben und die einfach mal wieder ein bisschen zur Ruhe kommen wollen. Und gerade durch solche Begegnungen mit solchen Menschen fängt man an, sich selber zu fragen: Wann kommt man vom Weg ab? Wie bemerkt man das? Komme ich überhaupt vom Weg ab? Bin ich noch in der Spur? Was läuft jetzt hier gerade mit mir? Was ist im letzten Jahr passiert? Warum mache ich einmal im Jahr sowas? Manchmal macht man ja Dinge, die man gar nicht so wirklich bewusst mitbekommt.

Natürlich, theoretisch, wenn ich mir jetzt überlege, dass ich eigentlich so ein Leben führe, wie ich auch schon öfter mal berichtet habe, dann hat das ja herzlich wenig mit Yoga, mit Entspannung, mit Auszeit, mit irgendwas zu tun, sondern man ist ja eigentlich mitten im Leben, krass an Randgruppen und an Randerfahrungen, Grenzerfahrungen – sowas in die Richtung, und hat parallel dann aber ein „normales“ Leben und macht und tut. Und auf einmal sitzt man da, so ähnlich wie damals in der Reha, wo ich mich mit dem Mann unterhalten habe, der zwei Oberschenkelhalsbrüche hatte, vom Bus überfahren wurde und mich anstrahlt und sagt:

Glück ist das, was man draus macht!

Ganz plötzlich sitzt man da, es wird einem der Spiegel vor Augen gehalten, und sei es jetzt in der Reha oder in einem von diesen Urlauben, sitzt man da auf einmal mit Menschen. Man unterhält sich mit denen und denkt sich: Wow, was ist hier eigentlich los? Da beantwortet man sich die Fragen, die man sich vorher gestellt hat. Wie ist denn das so? Bin ich noch in der Spur? Was passiert jetzt gerade mit mir? Welche Sachen unterdrücke ich vielleicht mit meinem Leben oder mit irgendwelchen Dingen zur Ablenkung? Das ist so cool. Ich muss auch deswegen die Chance oder die Gelegenheit nutzen, um eine Folge darüber zu drehen, dass ich sowas ab und zu mache! Und gestern habe ich meine Ängste überwunden, habe auch den Respekt dem gegenüber akzeptiert und habe mein allererstes langes Schweigeseminar gebucht. Schweigen ist für mich die extremste Form der Selbstfindung bisher gewesen.

Man redet mit niemandem außer mit sich selbst. Wenn man sich das mal so vorstellt, man sitzt da ja nur und sagt nichts. Man kann ja nicht nicht denken, wie viele Menschen wissen, und dafür, dass ich sonst so kopfgesteuert bin, habe ich bisher nicht den Mut gefunden, das zu tun – eben weil ich dachte: Oh Gott, mein Kopf macht da Party. Der wird mich auseinandernehmen. Das weiß ich bzw. da gehe ich schwer von aus, weil im Kopf eines Menschen so unfassbar viele Dinge passieren. Um das zu verarbeiten, nutzen Menschen ja die verbale Kommunikation mit anderen. Das fällt da dann komplett weg. Ich bin mal gespannt wie das wird. Ich habe viel drüber gelesen, aber immer den Rückzieher gemacht, weil da wahrscheinlich sehr viele Emotionen hochkommen werden. Man weiß auch, dass da viel geweint wird und viel in einem gelöst wird, was nicht unbedingt immer so Spaß macht.

Es wird auch sehr schmerzhaft sein. Aber wenn ich das jetzt mal im Großen und Ganzen betrachte, ist ja auch gerade im letzten Jahr sehr, sehr viel passiert. Klar geht man ab und zu mit sich selber ins Gespräch und ins Gericht. Also ich zum Beispiel habe das auch früher schon immer gemacht. Auch wenn ich jetzt nicht kirchlich verankert bin, setze ich mich auch ganz gerne mal einfach in Kirchen, mache eine Kerze an.

Den Alltag mal kurz eben ausschalten

Aber wenn man in so einem Schweigeseminar ist, dann ist man ja nicht mal eben fünf Minuten da. Klar, man kann rausgehen, aber das macht man ja dann auch nicht. Von daher wird das eine spannende Sache. Ich werde die Zeit auf jeden Fall nutzen, um mich auch einfach mal zu fragen, ob ich noch in der Spur laufe und ob ich im letzten Jahr einfach nur ab und zu ausweichen musste, um Pfützen zu umgehen oder Schlaglöcher zu überspringen oder wie auch immer. Das werde ich rausfinden, und ich kann es nur jedem empfehlen, das auch mal zu tun. Ich werde berichten, aber ja, manchmal ist Schweigen auch einfach nicht nur Gold. Generell freue ich mich auf den kleinen Ausreißer und bin gespannt, was die Welt in mir dort so erzählen wird.

Ein paar Schlagwörter

Warum macht sie das?

  • aktuell: BDSM greifbarer machen
  • Ermutigen auch einen Blick über euren Tellerrand zu wagen

Wie macht sie das?

  • Ausbruch - neue/alternative Wege gehen
  • Motivation und Inspiration durch Menschen, Momente und nimmersatte Neugierde

Womit macht sie das?

  • Mit Geschichten aus dem wahren Leben.
  • Mit eigener Erfahrung, die sie euch zu Nutze macht.
  • Mit knallharter Wahrheit und derzeit jeder Menge Fakten über die schwarz-bunte Welt der BDSM Szene